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Ein Morgen mit Iris Apfel. Danke Netflix.

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Ich bin ein »Senkrechtschauer«. Sobald sich mein Rumpf in die Waagrechte begibt, schließen sich meine Augenlider automatisch. So ist und bleibt der einzige Ort, an dem ich einen Film mit Sicherheit von Anfang bis Ende sehen werde, das Kino. Zwar habe ich bereits unzählige mehr oder weniger bewegende bewegte Bilder gesehen, von den meisten jedoch nur maximal 10 Minuten. Meine Liste der unvollendeten Dinge wird dank des »Püppchenschlafverhaltens« immer länger.

Immer wenn ich kündigen will…

Nicht nur aus dem Grund lohnen sich für mich Investitionen in das Heimkino on Demand nicht. Serien fühlen sich wie unnötig in die Länge gezogene Filme an und die vergleichsweise magere Filmauswahl will mein rastloses Auge einfach nicht zufrieden stellen. Doch jedes Mal, wenn ich beschließe, meinem gestreamten Abonnentendasein ein Ende zu bereiten, spielen Netflix und Co ihre Joker aus.

»More is more and less is bore.«

Iris hieß das heutige Wunderwerk, mit dem ich in nur 1 Stunde und 15 Minuten meinem übergeordneten Lebensziel ein Stück näher kam: Ein Vogel zu sein, ob schrill, seltsam, selten oder alles zusammen, der auch mit 90 Jahren noch funktionstüchtige Flügel hat. In ihren Augen ein »geriatrisches Starlet« – in meinen Augen auf herrlich charmante Art und Weise nicht von dieser Welt. Wie eine zum Leben erwachte Kollektion wundersamer Dinge erscheint Iris Apfel. Doch sie ist nicht wählerisch im herkömmlichen Sinne. Scheinbar instinktiv folgt sie ihrem Geschmack und schafft dabei das, was wohl die wenigsten schaffen: Ihrem Stil treu zu bleiben.

I’m a hopeless romantic. I buy things because I fall in love with them. I never buy anything just because it’s valuable. My husband used to say I look at a piece of fabric and listen to the threads. It tells me a story. It sings me a song. I have to get a physical reaction when I buy something. A coup de foudre – a bolt of lightning. It’s fun to get knocked out that way!

Iris Apfel lässt an den nie enden wollenden Einfallsreichtum der Modewelt glauben, Iris Apfel lässt an die Liebe glauben, mit Iris Apfel versteht man Schönheit neu:

I never felt pretty. I don’t feel pretty now. I’m not a pretty person. I don’t like pretty. So I don’t feel badly. And I think it worked out well, because I found that all the girls I know who got by on their looks, as time went on and they faded, they were nothing. And they were very disappointed. When you’re somebody like myself, in order to get around and be attractive, you have to develop something, you have to learn something, you have to do something. So you become a bit more interesting.

Eine wunderbare Dokumentation mit einer Portion von allem, was der Kopf ab und zu braucht.

Trailerliebe:

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One Shot Not.

Leipzig durch 4 Augen.

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»Du rennst und rennst,
und das Glück rennt hinterher.«

Auf Reisen wird man schnell ungeduldig mit mir. Laufe ich durch unbekannte Straßen, bin ich stets auf der Suche. Auf der Suche nach dem noch Schöneren, dem Verborgenen, dem Unvorhergesehenen. Ich bin wie ein Entdecker, der von der Idee zu entdecken derartig besessen ist, dass er ab und an den Blick für die spontanen Besonderheiten verliert.

Neujahr lief ich wieder Gefahr, mich blind zu verlaufen. Wäre da nicht jemand gewesen, der mir seinen wunderbaren Blick auf die Leipziger Raritäten geliehen hätte. Lieblingsmenschen wissen es eben am besten.

I. Das Pariser Leipzig
– Café Maître

Milchkaffe und Brioche am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. In der fabelhaften Welt des Café Maître erwachte für einen kurzen Augenblick die Amelie in mir. Das charmante Kaffeehaus an der Karl-Liebknecht-Straße ist ein wunderbarer Ort zum Verweilen, morgens wie abends, ob allein oder zu zweit.

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CAFE MAITRE – Karl-Liebknecht-Straße 62 – 04275 Leipzig

II. Fleisch ist mein Kuchen
– Café Fleischerei

»Grüß Gott. Tritt ein. Bring Glück herein.« Mag das Glück vor dem Besuch kein treuer Begleiter gewesen sein, so stellt sich spätestens nach dem Betreten des kleinen Cafés das Glücksgefühl ein. Dazu bedarf es nicht einmal einer Wurst.

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CAFE FLEISCHEREI – Jahnallee 23 – 04109 Leipzig

III. Der namenlose Gitarrenspieler 2.0
– Galerie für zeitgenössische Kunst

Spätestens seit »Offen auf AEG« ist die Neue Leipziger Schule aus meiner imaginären Kunstsammlung nicht mehr wegzudenken. In der Galerie für zeitgenössische Kunst lässt sich nicht nur mein geliebtes Lubok käuflich erwerben, der Besuch lässt Raum und Zeit vergessen. Mit der deutschen Bahn im Nacken ein Wagnis.

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GFZK – Karl-Tauchnitz-Straße 9-11 – 04107 Leipzig

IV. Einen Tick anders auf dem Kopf
– Mrs. Hippie

Mal neu, mal alt, mal bekannt, mal unbekannt – anders ist es auf jeden Fall. Bei Mrs. Hippie wird man fündig, gerade dann, wenn man nicht auf der Suche ist. So war ich auch in Leipzig gut behütet – jenseits des Alltäglichen.

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MRS. HIPPIE – Karl-Liebknecht-Straße 36 – 04107 Leipzig

V. Das stereotype Stereo
– Tanzcafé Ilses Erika

Vielleicht ist das Tanzcafé Ilses Erika das uneheliche Kind vom Club Stereo. Wie dem auch sei, die Ilse alias Elsaß-Lothringen (Freudscher Versprecher?), hat sich nur wegen seinen Würstchen ein Stein in meinem Brett. Musik, Ort, Mensch – die Ilse hat alles, wo man gerne is(s)t.

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TANZCAFÈ ILSES ERIKA – Bernhard-Göring-Straße 152 – 04277 Leipzig

VI. Am Ende ein Fest
– Café Cantona

Am Ende ein Fest – oder einen Burger. Das Café Cantona kann alles: Von Burger über Nicht-Burger bis hin zu Kuchen. Mit dem wohl größten, fleischgewordenen Veggie-Burger im Magen, hätte die deutsche Bahn auf unserer Heimfahrt streiken können. Ich wäre nach Hause gelaufen, per pedes. Mein persönliches Highlight neben dem Inventar: Die Musik. Ein Hintergrund im Vordergrund.

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CAFÉ CANTONA – Windmühlenstraße 29 – 04107 Leipzig

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»Teatro dei pupi«

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Eine Seifenoper der Puppen

»Die Marionette ist eine Maske – die Maske des Menschen.
Solange es den Menschen gibt, gibt es die Marionette
.« (Mimmo Cuticchio, 1994)
 

Linkes Handwerk

Puppen – meine Familie, meine besten Freunde, meine Kinder. All meine zukünftigen Berufswünsche erprobte ich an Ihnen, von Friseurin über Ärztin. In der Grundschule sollte einer meiner größten Träume wahr werden: Eine Marionette in Handarbeit. Theresa baut sich ihre eigene Puppe. Leider fehlte mir das handwerkliche Geschick und meine zwei linken Händen gebaren einen Zombie an Fäden. Enzo Mancuso wurde das zauberhafte Geschick im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Schon der Urgroßvater ließ im Herzen Siziliens die Puppen tanzen. Enzos Leben? Ein Marionettentheater.

Das Fernsehen Palermos

Ein bisschen Unterhaltung, ein bisschen kulturelle Identitätsstiftung, ein bisschen Nationalbewusstsein – 354 Mal im Jahr verfolgte die Bevölkerung Palermos gespannt die Dramen ihrer »ferngesteuerten Helden«. Die Marionetten lebten, auch jenseits des Theaters. Episode um Episode spielten sich die einzelnen Charaktere in die Herzen der Zuschauer. Was heutzutage Tv-Formate wie »Sturm der Liebe« mehr oder weniger erfolgreich zu leisten vermögen, stellten im alten Palermo Leid und Freud um Karl des Großen und seine Paladine dar. Ähnlich temperamentvoll wie die Marionetten, die an seidenen Fäden unzählbare Kämpfe gegen das Böse ausfechten, war auch das Publikum: Anfeuern. Ausbuhen. Mitfühlen. Rund 200 Puppentheater inszenierten Tag für Tag eine Seifenoper der Marionetten. Doch mit der steigenden Anzahl an Fensehapparaten schrumpfte die Anzahl der handgemachten Bühnen. So zählt Enzos Mancusos Puppentheater zu den wenigen Ensembles, die sich nicht im Kampf gegen die modernen Technologien geschlagen geben mussten.

»puparo« – das Alter Ego der Marionette

Das Puppenspiel erfordert mehrere Talente: So ist Enzo Mancuso nicht nur »Ziehvater« seiner Puppen, sondern auch Regisseur, Bühnenbildner, Intendant, Schreiner und Schneider in einer Person. Mit Holz unter den Füßen, einem Horn in der einen und den Fäden in der anderen Hand erwecken er und seine Spielgefährten mit einer beeindruckenden Stimmenvielfalt die Marionetten zum Leben. Der Soundtrack zur dramatischen Szenerie? Eine Ziehorgel, die nicht nur durch ihr Antlitz zu verzaubern vermag.

Das Puppentheater auf Rädern

Dem italienischen Generalkonsulat in München sei Dank, dass Enzo Mancusos Puppentheater auf Reisen gehen durfte. So wurde vergangenen Sonntag »Gostenhof« zum Palermo der Puppen. Auch wenn mein nicht vorhandenes italienisches Vokabular meinen ersten Besuch in einem sizilianischen Puppentheater einem tosenden Stummfilm ähnelte, ließ mich das Handwerk der »pupari« verzaubert zurück. Außerdem bedarf der ritterliche Kampf um Ehre, Gerechtigkeit und die holde Damenwelt keine Worte – die »Kunst der Duplomatie« ist international verständlich.

Auch wenn Enzo Mancuso mittlerweile wieder in den Geburtsort seiner traditionsreichen Kunst zurückgekehrt ist, blieben seine Helden nicht stumm. So sollte einer Reise nach Palermo ein Besuch in die Welt der Marionetten folgen. Italienisches Sprachverständnis hin oder her, es lohnt.

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Kontakt---Teatro-Mancuso

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