Allgemein, Reise, Tipps

One shot not. 2.0

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Und ganz nebenbei Pessoa…

Letztes Jahr habe ich beschlossen, zum „Jahresbilanzstichtag“ in Zukunft immer die Stadt, wenn nicht sogar das Land zu verlassen. Gelassen bin ich selten und an großen Tagen noch weniger. Silvester setzt mich unter Druck, da meine persönliche Bilanz bis jetzt meistens gegen mich und mein chaotisches Sein gesprochen hat. So tauche ich lieber ab und lasse die bösen „Endjahresgeister“ vom Unbekannten vertreiben.

Dieses Jahr wurde Lissabon für die Silvesterkür gewählt. „Es soll ziemlich schön dort sein!“ wäre meine Antwort gewesen, wenn mich jemand gefragt hätte, warum ich ausgerechnet dorthin reisen möchte. Nun weiß ich es besser: Ich habe mich unbewusst auf die Spuren von Pessoa begeben.

„Wir alle, die wir träumen und denken, sind Buchhalter und Hilfsbuchhalter in einem Stoffgeschäft oder irgendeinem anderen Geschäft in irgendeiner Unterstadt. Wir führen Buch und erleiden Verluste; wir ziehen die Summe und gehen vorüber; wir schließen die Bilanz, und der unsichtbare Saldo spricht immer gegen uns.“
(Das Buch der Unruhe, Fernando Pessoa)

Liebeserklärung an Lissabon, Bairro Alto (und an Pessoa)

Subjektiv gesehen ist Bairro Alto wohl das schönste Viertel Lissabons. Objektiv gesehen vielleicht nicht. Aber das interessiert bei diesem virtuellen Spaziergang durch Lissabon nicht.

I. Le Petit Prince Café

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Ob mit Auge, Herz oder Verstand – in diesem kleinen Café voller wunderbarer Details lässt es sich zu jeder Tages- oder Nachtzeit gut sehen, trinken und schmecken.

Auffinden lässt es sich leider nur analog. Aber wer gut sieht, kommt daran nicht vorbei!

Príncipe Real

Príncipe Real

II. Copenhagen Coffee Lab

Kaffeeliebhaber haben es in Lissabon schwer. Zumindest diejenigen, die dem Geruch und Genuss von Kaffeeröstereien restlos verfallen sind. Doch dafür gibt es in Bairo Alto den wohl leckersten Kaffee- und Caféimport, der sich sehen und schmecken lassen kann.

R. Nova da Piedade 10 - 1200-298 Lisboa - Portugal

R. Nova da Piedade 10 – 1200-298 Lisboa – Portugal

III. Pharmacia

Meiner Orientierungslosigkeit und Planlosigkeit sei Dank. Ungewollt führten Irrwege uns zur wohl schönsten Pharmacia, die Lissabon zu bieten hat. Zwischen alten Apothekenschränken auf hübschen Spitzendeckchen serviert Chef Felicidade das, was der Name schon verspricht: eine große Portion Glück.

R. Mal. Saldanha 1, 1200-012 Lisboa, Portugal

R. Mal. Saldanha 1, 1200-012 Lisboa, Portugal

IV. A Outra Face da Lua

Viel Spitze, viel Puff, viel Kragen – im A Outra Face da Lua können sich sowohl Omis als auch Enkel glücklich shoppen. Traumhafte Stoffe aus vergangenen Zeiten zieren die Kleiderstangen. Meine Kleiderstange zu Hause ziert nun ein japanischer Poncho aus braunem Samt. Egal, ob man die Roben tragen oder einfach nur bestaunen möchte, ein Besuch in diesem wunderschönen Vintage-Laden ist jede Sekunde wert.

R. Assunção 22, 1100-044 Lisboa, Portugal

R. Assunção 22, 1100-044 Lisboa, Portugal

V. Tease

Ein kunterbunte kleine Bäckerei, die wundervolle Cupcakes zaubert. Inmitten von funkelnden Kronenleuchtern und anderen bizarren Schmuckstücken, hat sich ein ganz famoses Abbild von Frida Kahlo verirrt. Wer möchte hier nicht gerne – zumindest kurz – einmal gewesen sein?

1200-296 Lissabon, Portugal

1200-296 Lissabon, Portugal

VI. LX Factory

Ein bisschen Berlin im Herzen von Lissabon: Cafés, Bars, kleine & große Künstler lauern hier. Doch der famose Buchladen „Ler Devagar“ bleibt unübertroffen. Wäre der Großteil nicht portugiesische Literatur gewesen, wäre ich jetzt um mindestens ein Bücherregal reicher.

R. Rodrigues de Faria 103, 1300 Lisboa, Portugal

R. Rodrigues de Faria 103, 1300 Lisboa, Portugal

VII. Embaixada Concept Store

Ein herrlicher Concept Store in alten Gemäuern. Bei so vielen wundervollen Manufakturen unter einem Dach gerät das kunstverliebte Herz ins Staunen. 100% Portugal könnte man nicht schöner präsentieren.

Praça do Príncipe Real 26, 1250-184 Lisboa, Portugal

Praça do Príncipe Real 26, 1250-184 Lisboa, Portugal

Casa Fernando Pessoa

Seine letzten 15 Jahre hat er hier verbracht. Im Casa Fernando Pessoa war ich wohl am Ziel meiner Reise. Beim Anblick von ausgedrückten Zigaretten im Aschenbecher und zerknüllten Skizzen in einer Truhe hat man das Gefühl, Pessoa hätte nur kurz das Haus verlassen. Näher als dort kann man ihm wohl nicht mehr sein. Am Ende der literarischen Reise durch Pessoas Leben kann man in einer kleinen Hausbibliothek noch in seinem Werk stöbern. Übersetzungen in allen erdenklichen Sprachen warten darauf, gelesen zu werden. Ein kleiner, großer Fleck in Lissabon, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

R. Coelho da Rocha 16, 1250-088 Lisboa, Portugal

R. Coelho da Rocha 16, 1250-088 Lisboa, Portugal

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Tipps

#durchblick

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Rendevouz mit Ted

Manchmal kommt er wieder durch: der Drang nach Veränderung. Früher war dies jedoch fast noch leichter getan, als gesagt. In rasender Geschwindigkeit tauschte ich meine rosafarbenen Roben in ein Scooter-Lookalike mit einem Hauch Gothic ein.

Jetzt weiß ich, wer ich bin: eine Mischung aus Flohmarkt und Hut. Doch meine schwächelnden Augen haben mir eine neue Leidenschaft beschert, mit der ich weiterhin spielen darf: Die Brille. Unausgewachsen in einer Phase der Mini-Rebellion habe ich Gestelle divers auf dem Spielplatz mit Absicht (und nicht aus Versehen) vernichtet, heute gehören sie zu meinen größten Schätzen.

Meine jüngste Brillenaffäre heißt Ted Baker. Man nehme ein bisschen Gold, ein wenig Marmor und eine Portion Schwarz mit Schleifchen garniert und schon ist eine Theresa glücklich – die Augen sowieso. Wo ich dieses Träumchen erstanden habe? Von dem wohl schönsten Brillengeschäft in Erlangen. Beim Brillenkauf darf der Akt an sich ja auch etwas für’s Auge sein.

Die Optikmeisterei wird ihrem Namen gerecht: Bei der Wahl des Gestells ist sie wahrlich meisterlich. In Zukunft werden mein Gesicht nur noch Gläser aus diesem feinen Laden zieren. Die Zeiten der FastFood-Läden à la Mc Brille & Co sind vorbei.

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Ein Morgen mit Iris Apfel. Danke Netflix.

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Ich bin ein »Senkrechtschauer«. Sobald sich mein Rumpf in die Waagrechte begibt, schließen sich meine Augenlider automatisch. So ist und bleibt der einzige Ort, an dem ich einen Film mit Sicherheit von Anfang bis Ende sehen werde, das Kino. Zwar habe ich bereits unzählige mehr oder weniger bewegende bewegte Bilder gesehen, von den meisten jedoch nur maximal 10 Minuten. Meine Liste der unvollendeten Dinge wird dank des »Püppchenschlafverhaltens« immer länger.

Immer wenn ich kündigen will…

Nicht nur aus dem Grund lohnen sich für mich Investitionen in das Heimkino on Demand nicht. Serien fühlen sich wie unnötig in die Länge gezogene Filme an und die vergleichsweise magere Filmauswahl will mein rastloses Auge einfach nicht zufrieden stellen. Doch jedes Mal, wenn ich beschließe, meinem gestreamten Abonnentendasein ein Ende zu bereiten, spielen Netflix und Co ihre Joker aus.

»More is more and less is bore.«

Iris hieß das heutige Wunderwerk, mit dem ich in nur 1 Stunde und 15 Minuten meinem übergeordneten Lebensziel ein Stück näher kam: Ein Vogel zu sein, ob schrill, seltsam, selten oder alles zusammen, der auch mit 90 Jahren noch funktionstüchtige Flügel hat. In ihren Augen ein »geriatrisches Starlet« – in meinen Augen auf herrlich charmante Art und Weise nicht von dieser Welt. Wie eine zum Leben erwachte Kollektion wundersamer Dinge erscheint Iris Apfel. Doch sie ist nicht wählerisch im herkömmlichen Sinne. Scheinbar instinktiv folgt sie ihrem Geschmack und schafft dabei das, was wohl die wenigsten schaffen: Ihrem Stil treu zu bleiben.

I’m a hopeless romantic. I buy things because I fall in love with them. I never buy anything just because it’s valuable. My husband used to say I look at a piece of fabric and listen to the threads. It tells me a story. It sings me a song. I have to get a physical reaction when I buy something. A coup de foudre – a bolt of lightning. It’s fun to get knocked out that way!

Iris Apfel lässt an den nie enden wollenden Einfallsreichtum der Modewelt glauben, Iris Apfel lässt an die Liebe glauben, mit Iris Apfel versteht man Schönheit neu:

I never felt pretty. I don’t feel pretty now. I’m not a pretty person. I don’t like pretty. So I don’t feel badly. And I think it worked out well, because I found that all the girls I know who got by on their looks, as time went on and they faded, they were nothing. And they were very disappointed. When you’re somebody like myself, in order to get around and be attractive, you have to develop something, you have to learn something, you have to do something. So you become a bit more interesting.

Eine wunderbare Dokumentation mit einer Portion von allem, was der Kopf ab und zu braucht.

Trailerliebe:

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Lief (nicht) am Erlanger Laufgelage.

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Vom deliziösen Duft in Erlangens Gassen

Wer meint, in Erlangen sei der Hund begraben, täuscht sich. Erlangen läuft. Mindestens zweimal im Jahr, von Gang zu Gang, bis sich die Creme dé la Creme der kochenden Amateure zum finalen Dessert im E-Werk wiederfindet. So bin ich dieses Mal mitgelaufen. Mein kleines Heim wurde zum Hauptgang auserkoren. Beim Laufgelage steht jedoch nicht Sport, im Sinne von »Sport ist Mord«, im Vordergrund. Der kulinarische Genuss erhält Einzug in die Erlanger Gassen: Ein Tauschgeschäft der großen & kleinen Gaumenfreuden. In Zweierteams wird aufgetischt. Dem Gang zum Herd folgt ein Verwöhnprogramm bei anderen kochaffinen Teams divers. Ob Vorspeise, Hauptspeise oder Dessert: Bei Tisch, Gast und Koch werden die Karten jedes Mal neu gemischt.

Ein (im-)perfektes Dinner

Mein chaotisches Wesen neigt dazu utopische Ansprüche an sich zu stellen: Perfektion in jeglicher Hinsicht. Während der Vorbereitung auf das Laufgelage war meine Aufregung so groß, als ob am Abend das Kamerateam von VOX an meine Tür klopfen würde. Leider neige ich dazu, unter Hochanspannung ein Desaster nach dem anderen wie ein Magnet anzuziehen. Erst sagte meine ursprüngliche Laufpartnerin ab. In der darauffolgenden Nacht voller Verzweiflung mutierte meine Küche zu einer Art Labor, indem jeder Versuch misslingen sollte. Schließlich stellte sich auch die Technik quer und mein Ofen (ver-)backte nicht nur die Croissant sondern auch meine Hand.

Beim ersten Mal tut es gar nicht weh.

Doch die Sorgen waren sowohl unergründet, als auch unbegründet. Der Hauptgang schmeckte, zumindest augenscheinlich. Auch der Algorithmus vom Orgateam funktionierte einwandfrei und bescherte uns ein perfektes Match. Der Vorteil gegenüber Tinder: Lebendig, platonisch und gleich Mal 3. Als das bevorstehende Dessert zum Aufbruch trieb, war man beinahe traurig, ziehen zu lassen und weiterzuziehen.

Am Ende die Schlacht

»Leichtsinn kommt vor dem Fall.« War ich Zeit meines Lebens immer Freund von Leichtsinn, weiß ich nun, dass Harmonie unter Anwendung von Ironie in Anfeindungen mit einem finalen Rausschmiss enden kann. Das Dessert ein paar Häuser weiter verleiteten mich und mein mehr oder weniger humorvolles Wesen zu Fehleinschätzungen. Die Umgebung und sein Herrchen ließen auf offene Ohren, offene Köpfe und offenes Mundwerk schließen. Leider verfehlte mein offenes Mundwerk den guten Ton. So trafen meine gewählten Worte zielsicher ein: In die Achillesferse von Siegfried. Der verletzte Siegfried tat das, was ein Mann tun muss: Er verteidigte seine Ehre und schmiss mich raus. Mit viel Wein und einer gehörigen Portion Unterwürfigkeit konnte ich jedoch die Wogen in Siegsfrieds Gemüt glätten. Von wegen alles gescripted: Siegfried und ich haben den empirischen Beweis geliefert, dass auch ohne redaktionelle Vorarbeit von VOX binnen Minuten ein Laufgelage zum katastrophalen Schaugelage mutieren kann.

Lauf, Theresa, lauf.

Aufstehen, (kein) Krönchen richten und weiterlaufen. Auch wenn ich dem Schlager eher ablehnend gegenüberstehe, werde ich »Michelles« Rat befolgen. Das Laufgelage ist ein viel zu wunderbares Ganzes, um sich durch kleine & große Pannen entmutigen zu lassen. Bis zum nächsten »Running Dinner« übe ich mich: Im Kochen & humorvoller sozialer Interaktion.

Am 10. November geht es wieder in 3 Gängen durch Stadt:
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Gut gegen »Dropdown«

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»Ich bin schon einmal dort gewesen,
an diesem schönen Ort.«

Museum Industriekultur, AUGENHÖHEwege, Filmpremiere. Ein bewegender Ort für ein bewegtes Bild. In doppelter Hinsicht. Zeigt der Film Unternehmen in den Hauptrollen, die den Versuch wagen, Hierarchien auf Augenhöhe zu bringen, präsentiert er sich – ob bewusst oder unbewusst ausgewählt – an einem Ort, der mein orientierungsloses Wesen auf Augenhöhe in das Museumsinventar blicken ließ. Als Praktikantin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der »museen der stadt nürnberg« wurde sich auf einer Ebene begegnet, zumindest in kommunikativer Hinsicht – mein fehlendes Wissen in Spe ausgeschlossen.

Einreißen, um aufzureißen.

Wie bringe ich die Summe meiner einzelnen Teile auf Augenhöhe, wenn „Größe“ nur eine Variable von vielen ist? Eine Herausforderung, der sich sechs Unternehmen in dem Film »AUGENHÖHEwege« gestellt haben. Die Lösungsansätze zeigen sich genauso flexibel, wie die Wege dorthin. Doch eins ist allen Firmen gemein: Umdenken. Fortschritt erfordert Mut, der die Angst vor ungewollten Rückschritten übersteigt. Tradition vs. Innovation. Wem es gelingt die Fassaden von festgefahrenen Organisationsformen einzureißen, schafft Raum und setzt Impulse (frei). Traditionelle Handlungsoptionen befreien sich von der einengenden Abhängigkeit herkömmlicher Hierarchien und bringen letztendlich das hervor, was verloren zu gehen droht: Freude. Freude an Partizipation, Freude am Verantwortungsbewusstsein – ob für sich und für andere, und final Freude an der »Berufung«.

Kein performativer Selbstwiderspruch

»AUGENHÖHEwege« will auf der Premiere nicht nur präsentiert, sondern auch diskutiert werden. Das Museum Industriekultur mutiert am Tag der Erstausstrahlung zu einer Art hybriden Forum, in dem jede Stimme zu Wort kommen und gehört werden soll. Die vorausgegangen Bilder sind ebenso wenig handlungsweisend wie handlungsbindend. Sie sind die Zündschnur zur Selbstreflexion, Anregung und Inspiration. Dialoge sollen folgen und den Austausch zwischen Anspruchsgruppen divers eröffnen. Der Film will keine Anleitung geben, sondern vielmehr verführen, ebenfalls neue Wege zu gehen.

Das verhandelbare Maß der Dinge

»AUGENHÖHEwege« feierte zeitgleich in mehreren Städten Premiere. Doch das war nur der Anfang. Den ersten Worten werden weitere folgen und mit dem Fortschreiten der Zeit hoffentlich auch Taten. »AUGENHÖHEwege« lässt sich in voller Länge online – ganz legal – streamen und teilen. Jeder darf, kann und soll den Film, seine Gedanken und Ansichten hierzu verbreiten, damit der Dialog sich fortsetzt, bis sich die Augenhöhe vielleicht irgendwann als ein Maß mit dem Hang zur Allgemeingültigkeit etabliert, mit einem Ausmaß auf Verhandlungsbasis.

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Ein improvisierter Puppentanz

Cover-Impro-Hotel

Im·pro·vi·sa·ti·o̱n
Substantiv [die]

1. das Improvisieren; Kunst des Improvisierens
2. ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif Dargebotenes; Stegreifschöpfung, [musikalische] Stegreiferfindung und -darbietung

Lasst die Spiele beginnen…

… aus dem Stegreif. Das einzige Opfer, das die Fädenzieher beim improvisierten Puppenspiel bringen müssen, ist ein wenig Fantasie. Die aus dem Off ins Leben gerufene Spontanfigur hat nämlich ihren eigenen Kopf, die auf skurrilste Art und Weise immer wieder zu überraschen vermag.

Am Samstag logiert das Impro-Hotel wieder im Parks. Für Liebhaber der spontanen Kreativität ein Muss. Wer meint, dass die Schweiz vollkommen unabhängig agiert, irrt: Der improvisierte Zusammenschluss zwischen namhaften Größen der Impro-Szene funktioniert ganz wunderbar.

Keine Ruhe auf den hinteren Plätzen

Der Bonus für die Herren und Herrinnen der Stegreifschöpfung auf den Zuschauerplätzen: Sie dürfen alles, müssen aber nicht. Es sei denn, man erscheint wie ich im formidablen (Nacht-)Gewand. Grob fahrlässig mutiert man so selbst zur Bühne der Improvisation.

Unabhängig von der eigenen Erscheinung bleibt ein Abend mit der (inter-)national vernetzten Impro-Szene im Gedächtnis. So sehr im Gedächtnis, dass es immer wieder aufgefrischt werden will. Süchte können so unschuldig sein.

 

Kontakt-Parks-Impro-Hotel

 

 

 

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One Shot Not.

Leipzig durch 4 Augen.

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»Du rennst und rennst,
und das Glück rennt hinterher.«

Auf Reisen wird man schnell ungeduldig mit mir. Laufe ich durch unbekannte Straßen, bin ich stets auf der Suche. Auf der Suche nach dem noch Schöneren, dem Verborgenen, dem Unvorhergesehenen. Ich bin wie ein Entdecker, der von der Idee zu entdecken derartig besessen ist, dass er ab und an den Blick für die spontanen Besonderheiten verliert.

Neujahr lief ich wieder Gefahr, mich blind zu verlaufen. Wäre da nicht jemand gewesen, der mir seinen wunderbaren Blick auf die Leipziger Raritäten geliehen hätte. Lieblingsmenschen wissen es eben am besten.

I. Das Pariser Leipzig
– Café Maître

Milchkaffe und Brioche am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. In der fabelhaften Welt des Café Maître erwachte für einen kurzen Augenblick die Amelie in mir. Das charmante Kaffeehaus an der Karl-Liebknecht-Straße ist ein wunderbarer Ort zum Verweilen, morgens wie abends, ob allein oder zu zweit.

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CAFE MAITRE – Karl-Liebknecht-Straße 62 – 04275 Leipzig

II. Fleisch ist mein Kuchen
– Café Fleischerei

»Grüß Gott. Tritt ein. Bring Glück herein.« Mag das Glück vor dem Besuch kein treuer Begleiter gewesen sein, so stellt sich spätestens nach dem Betreten des kleinen Cafés das Glücksgefühl ein. Dazu bedarf es nicht einmal einer Wurst.

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CAFE FLEISCHEREI – Jahnallee 23 – 04109 Leipzig

III. Der namenlose Gitarrenspieler 2.0
– Galerie für zeitgenössische Kunst

Spätestens seit »Offen auf AEG« ist die Neue Leipziger Schule aus meiner imaginären Kunstsammlung nicht mehr wegzudenken. In der Galerie für zeitgenössische Kunst lässt sich nicht nur mein geliebtes Lubok käuflich erwerben, der Besuch lässt Raum und Zeit vergessen. Mit der deutschen Bahn im Nacken ein Wagnis.

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GFZK – Karl-Tauchnitz-Straße 9-11 – 04107 Leipzig

IV. Einen Tick anders auf dem Kopf
– Mrs. Hippie

Mal neu, mal alt, mal bekannt, mal unbekannt – anders ist es auf jeden Fall. Bei Mrs. Hippie wird man fündig, gerade dann, wenn man nicht auf der Suche ist. So war ich auch in Leipzig gut behütet – jenseits des Alltäglichen.

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MRS. HIPPIE – Karl-Liebknecht-Straße 36 – 04107 Leipzig

V. Das stereotype Stereo
– Tanzcafé Ilses Erika

Vielleicht ist das Tanzcafé Ilses Erika das uneheliche Kind vom Club Stereo. Wie dem auch sei, die Ilse alias Elsaß-Lothringen (Freudscher Versprecher?), hat sich nur wegen seinen Würstchen ein Stein in meinem Brett. Musik, Ort, Mensch – die Ilse hat alles, wo man gerne is(s)t.

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TANZCAFÈ ILSES ERIKA – Bernhard-Göring-Straße 152 – 04277 Leipzig

VI. Am Ende ein Fest
– Café Cantona

Am Ende ein Fest – oder einen Burger. Das Café Cantona kann alles: Von Burger über Nicht-Burger bis hin zu Kuchen. Mit dem wohl größten, fleischgewordenen Veggie-Burger im Magen, hätte die deutsche Bahn auf unserer Heimfahrt streiken können. Ich wäre nach Hause gelaufen, per pedes. Mein persönliches Highlight neben dem Inventar: Die Musik. Ein Hintergrund im Vordergrund.

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CAFÉ CANTONA – Windmühlenstraße 29 – 04107 Leipzig

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