#9 Apostolos

Aposteles_Cover

Gastronom – 35 Jahre

Auffangbecken

Flashback. 2006. Literaturhauscafé. Ein Auffangbecken für Gäste und Arbeitswütige. Jeder und eines jeden Sehnsüchte fanden hier ihren Platz: Professions- oder Hobbyliteraten, Künstler divers, Familien aus dem Bilderbuch, Angehörige des rot erleuchteten Milieus, Apostolos und ich. Unser Kennenlernen war kurz und schmerzlos. Als ich die Arbeit im Literaturhauscafé aufnahm, war Apostolos gerade dabei neue Wege zu gehen. Im ersten Moment ein Verlust, auf den zweiten Blick jedoch ein (Haupt-)Gewinn – für mich und für Nürnberg.

politiki kouzina – Die Küche der Stadt

Als Kind seiner griechischen Frau Mama war Apostolos schon in jungen Jahren mit Freude am Herd gestanden. Mit seinem experimentierfreudigen Wesen schafft er beim Kochen ein kreatives Geschmackslabor. Auch die Geheimnisse der traditionellen »politiki kouzina«, der regionalen Küche der Griechen in Konstantinopel, integriert Apostolos in sein kulinarisches Werk. Sein Erfolgskonzept: Griechische Hausmannskunst Vol. II – die Wiederauflage. Zutaten neu gemixt. Im Alter von 26 Jahren beschloss Apostolos, Gastgeber für jedermann zu werden. Sein Hund führte ihn beim allabendlichen Spaziergang zu den passenden Räumlichkeiten für sein griechisches Restaurant der anderen Art. Johannis war das auserwählte Viertel – auch schon vor 9 Jahren empfänglich für kulinarische Neuerungen und Sonderheiten.

Mit Vorstellungskraft zum Tatendrang

Eine große Portion Vorstellungskraft benötigte man beim erstmaligen Betreten des auserwählten Etablissements. Der Charme der vier Wände offenbarte sich nur mit viel Phantasie. Doch Apostolos Vorstellungskraft ist stark und mit der Realität eng verwoben. Risiken machen ihm keine Angst. Irgendetwas gab ihm die Gewissheit, dass er in seinem Vorhaben nicht scheitern werde. Auf seine männliche Intuition (und ein paar weitere Helferlein) war Verlass. Dank der großen Einsatzbereitschaft seines abrisswilligen Freundeskreises nahmen seine Vorstellungen in nächtlicher Handarbeit zügig Gestalt an. Das Eleon wurde geboren, ein kulinarisches Mosaik griechischer Köstlichkeiten. Die Begeisterung für seine griechische Küche kann Apostolos seit dem Tag der Eröffnung aufrechterhalten. Ein Longplayer, den man sich nicht satt essen kann.

Lidl macht (entscheidungs-)stark

Gelegentlich passieren wir Stationen im Leben, deren tiefere Bedeutung wir erst später zu schätzen wissen. Nach dem Studium der BWL arbeitete Apostolos zunächst bei Lidl. Wider Erwarten konnte er dort fürs »Leben« lernen: Entscheiden. Die Leitung mehrerer Filialen erfordert Entscheidungs- und Durchsetzungskraft. Grundsätzlich der Harmonie verfallen stellte dies zu Beginn die größte Herausforderung an Apostolos. Doch er meisterte diese, ohne dabei das harmonische Miteinander aus den Augen zu verlieren. Seitdem lebt es sich »entschieden« leichter – innerlich und äußerlich. Eine gute Schule für ein selbstständiges Ich in Selbstständigkeit.

Gegessen wird zu Hause!

Auch wenn Apostolos Griechenland, insbesondere Athen, liebt und mehrmals im Jahr dorthin verreist, hat er in Nürnberg seine Heimat gefunden. Städtereisen inspirieren ihn zwar und kurbeln seinen Geschäftssinn an, doch er kehrt immer wieder gerne zurück. In Apostolos Vorstellung hat eben jede Stadt Potential, Nährboden der Selbstständigkeit zu sein. Ob das Eleon eine Einzelkind bleibt, oder Geschwisterchen hier und dort bekommt, bleibt abzuwarten.

Ein feierlicher Mix

Ein bisschen mehr leben dürfte der Nürnberger Apostolos Meinung nach. Auch unter der Woche. Schlafen wirkt sich eben nicht nur vitalisierend aus. Trotz der Vielfalt an Restaurants und Cafés fehlt es in Nürnberg noch an einer nachtaktiven Clubdichte. Wobei, Qualität vor Quantität. Mit einem Wunderexemplar würde sich Apostolos bereits zufrieden geben. Ein Revival des Mach 1 zu seinen Glanzzeiten zum Beispiel. Das wäre sein Traum. Ein gepflegter Houseclub, der jeden, ob jünger oder älter, schwul oder lesbisch, miteinander feiern lässt. Harmonisch. Eine große Liebe für jedermann.

Bis dahin wird gegessen. Bei Apostolos. Im Eleon. Ebenso vitalisierend wie wunderbar.

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