#7 Cristopher

Cristopher_Cover

Fotograf – 27 Jahre

Objektive vs. subjektive Authentizität

Wann ist das Selbst das Selbst? Fixe Parameter zu setzen, schwierig. Ich für meinen Teil weiß nur, wann ich nicht ich selbst bin. Nicht authentisch. Gesetzt den Fall, authentisch bedeutet, sich selbst zu sein. Ob ich ich selbst bin, wenn ich mich als ein Selbst fühle, weiß ich nicht. Auf jeden Fall fühle ich mich ziemlich wohl dabei, wenn ich es annehme. Die größten Mutationen nimmt mein Selbst vor, wenn ich auf das Unbekannte stoße. Paart sich das Fremde mit einem starken Charakter, hält die Phase der selbstsichernden Selbstmutation besonders lange an. Solange bis ich wieder zu Verstand komme und merke, dass geballte subjektive Authentizität gut harmoniert. Cristopher ist ein starker Charakter und mag Authentizität, in welche Richtung sie auch gehen mag. Und was er mag, is(s)t er auch. Authentisch empfänglich für den kulinarischen Genuss jeglicher Art.

Beute ohne Hintergedanken

Der Mensch hat es ihm angetan. Ein Beuteschema hat er nicht. Auch keine Hintergedanken. Cristopher nimmt seine Umgebung wahr. Begegnungen mit interessanten Menschen lösen Bilder aus, die er wiederum in Bildern festhalten möchte. Schöne Menschen hält er fest. Doch wer oder was ist schön? Bernd Pflaum zum Beispiel. Cristophers bis dato nicht vorhandene weibliche Muse. Bernd gibt Cristopher das Gefühl, dass alles möglich ist und jede Idee eine Option auf Verwirklichung hat. Nackt. Rakete. Wald. Läuft.

Der Tiger macht den Meister

Mit einer Hobbykamera von Janosch im Tigerkleid ging es los. Die Welt noch viel zu groß wurde die primäre Sozialinstanz zum Fotomodell: Vater in Unterhose. Mutter schimpfend im Supermarkt. Ein Terry Richardson in Kinderschuhen. Die erste richtige Kamera war von kurzem Bestand. Mit einer frischen Liebe in Gedanken geriet sie schnell in Vergessenheit und wurde im Zug liegen gelassen. Vielleicht konnte sie auch keine Rosen mehr sehen. Auf dem Weg zur professionellen Fotografie ist Cristophers Stinkefinger vielen Menschen begegnet. Die großen, kleinen Meister auf Ausbildungswegen divers konnten, wollten sein Talent nicht sehen. Doch ein Mittelfinger im Rücken stärkt. Irgendwo zwischen Stereo, Bier, Dönerläden machte er die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht und baute seine Praxis aus. Nach der klassischen Theorie braucht man ihn nicht zu fragen. Nach seiner eigenen umso mehr. Als Künstler sieht er sich nicht. Kunst ist etwas Großes. Ein großes Gefühl. Der Begriff wird oftmals viel zu inflationär gebraucht. Auf einmal ist alles Kunst und jeder ist Künstler. So darf sich viel zu häufig jede noch so lieblos gemeinte Provokation gegen den Betrachtenden Kunst nennen.

Vom Zwangsidealismus, Pseudogutmenschentum und dem Toleranzromantiker

Was Cristopher am Nürnberger Menschen vermisst? Die Ehrlichkeit. Ursprünglich für sein grummeliges und verbohrtes Wesen verehrt, läuft der Franke momentan Gefahr zum smalltalkverliebten Einheitsbrei zu verkommen. Gründe hierfür gibt es viele. Die schnelllebige Zeit öffnet den Weg auf die Bühne für jedermann. Zumindest für kurze Zeit. Die Show wird zur Realität. Vielleicht aber auch der Wandel einer ehemaligen Arbeiterstadt. Was dabei verloren geht? Die Gemütlichkeit. Die Tiefe. Das Durchbrechen der Oberfläche. Abende, die von gutem Wein und er-/auffüllenden Gesprächen geprägt sind. Cristophers Wunsch nach Ehrlichkeit ist mit der gegenwärtigen Sehnsucht nach Städten wie Berlin oder New York unvereinbar. Wien ist das wahre Berlin – mit all den Gegensätzen, die ein Ganzes komplementieren. Das Wiener Weinkontor hat es auf den Punkt gebracht: »Manchmal frage ich mich, ob ich Wiener bin, oder doch nur ein Mensch.«

Keine Werbung ist besser als schlechte Werbung

Auch wenn sich der Nürnberger in seinem Tun und Schaffen nicht allzu ernst nehmen sollte, könnte Nürnberg ein gesteigertes Selbstbewusstsein mit mehr Sinn für Ästhetik nicht schaden. »Wenn ich mir manchmal so ansehe, was in Nürnberg als Kunst bzw. Fotografie verstanden wird, überlege ich die Kamera hinzulegen und Holzschnitte von Genitalien anzufertigen.« Ob der hölzerne Penis zum Dürer Hasen eines Revolutionären wird, bleibt abzuwarten.

Am Ende ist es doch ok.

Generell mag Cristopher Nürnberg. Das Burgviertel, der Weg über das Tiergärtnertor in die Stadt – das gibt ihm etwas. Wenn ihm dann noch in der Innenstadt statt China, Italien oder Californien das fränkische Original in Form von Schäuferle begrüßen würde, wäre sein Dasein nicht nur zum Schein perfekt. Graffiti an tot geglaubten Betonwänden nicht zu vergessen. Klar gibt es alternative Cafés mit voll beschmierten Fenstern als dekorativem Element. Doch das eigentliche Pflaster der Graffitikunst, die U-Bahnhaltestelle Gostenhof zum Beispiel, glänzt blitzeblank. Das kann nicht sein.

Insgesamt wünscht sich Cristopher, »dass sich zwar alles ändert, aber dass manche Menschen sich nie ändern werden.« Ein bisschen nachdenken wollen wir ja auch.

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Cristopher im Web:

Web: www.cris-c.de
Blog: www.cris-blogged.com

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