Allgemein, Reise

Filmtipp: YOUTH

00_Prager-Frühling_Cover

»Egal wohin wir gehen,
wir gehen immer wieder nach Hause«

Mein Zuhause ist wohl mehr die Fiktion als die Wahrheit, flexibel austauschbar auf allen Leinwänden der Welt. So mag es für all diejenigen, die an Schicksal glauben, kein Zufall sein, dass ich mein diesjähriges »Bittersweet 16« im Untergrund einer Kinobar verbrachte.

Nachdem Weihnachten bereits im November letzten Jahres in einen absoluten Overkill abzudriften drohte, sank meine Advents- und Neujahrseuphorie schon vor den Feiertagen gegen Null. So beschloss ich Silvester auszuwandern. Weit bin ich nicht gekommen. Meine Spontaneität ließ mich lediglich bis nach Leipzig reisen. Dafür geschah dies dank Airbnb im großen Jugendstil an der Karl-Liebknecht-Straße.

»Ein Reset mit Fiktion«

Nachdem das mir unbekannte Leipzig einen Neujahrswechsel irgendwo zwischen erwartet Unbekanntem und unerwartet Bekanntem bescherte, sehnte sich mein Kopfkino nach einem unberechenbaren-berechenbaren Phantasiekino. Außerdem hätte es ein dickes Steinzeitfell erfordert, das zu Eis gefrorene Leipzig rein äußerlich zu bestaunen.

»Ein überirdischer Jahreswechsel«

So beschloss ich mein persönliches Silvester noch einmal zu wiederholen, nur überirdisch statt unterirdisch. Der Besuch in der Kinobar Prager Frühling läutete mein selbst ernanntes Neujahr mit einem weniger tosenden, dafür umso nachhaltigerenden Feuerwerk der Sinne ein: Eine Art Balsam für den ganzen Körper. Die Kinobar darf man sich genauso vorstellen, wie sie heißt: Ein charmantes All-in-One-Etablissement mit einem Kinoprogramm voller Besonderheiten. Auch dabei: Paolo Sorrentinos neuestes Werk »Youth«.

»Eine meisterhafte Komposition«

Über Filme zu schreiben, oder Filme zu beschreiben, ist ein Handwerk, dessen Grenzen ich wohl nie zu meiner Zufriedenheit definieren werde. Gefangen vom Zauber der Bilder ist man schnell versucht, stilistisch in einer Kurzgeschichte zu enden, die auch den letzten Schaulustigen vor einem weiteren Besuch der Filmlichtspiele zu bewahren versteht. So sei nur so viel über Sorrentinos jüngstes Werk gesagt: Gleich zu Beginn offenbart sich »Youth« als ein Meisterwerk der Sinne – eine fabelhafte Komposition aus Bildästhetik, Schauspielensemble und Filmmusik, das bereits in den ersten Minuten den Zuschauer in den Bann zieht.

Danke Leipzig, danke Kinobar Prager Frühling, danke Sorrentino
– nun bin ich bereit für 2016.

Damit ich meiner Kritik an Filmrezessionen treu bleibe:
Musik statt Trailer.

Zu guter Letzt:
Weil zwar viele Wege zur Kinobar Prager Frühling führen,
aber leider nicht alle.

Kontakt-Kinobar

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