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»Teatro dei pupi«

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Eine Seifenoper der Puppen

»Die Marionette ist eine Maske – die Maske des Menschen.
Solange es den Menschen gibt, gibt es die Marionette
.« (Mimmo Cuticchio, 1994)
 

Linkes Handwerk

Puppen – meine Familie, meine besten Freunde, meine Kinder. All meine zukünftigen Berufswünsche erprobte ich an Ihnen, von Friseurin über Ärztin. In der Grundschule sollte einer meiner größten Träume wahr werden: Eine Marionette in Handarbeit. Theresa baut sich ihre eigene Puppe. Leider fehlte mir das handwerkliche Geschick und meine zwei linken Händen gebaren einen Zombie an Fäden. Enzo Mancuso wurde das zauberhafte Geschick im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Schon der Urgroßvater ließ im Herzen Siziliens die Puppen tanzen. Enzos Leben? Ein Marionettentheater.

Das Fernsehen Palermos

Ein bisschen Unterhaltung, ein bisschen kulturelle Identitätsstiftung, ein bisschen Nationalbewusstsein – 354 Mal im Jahr verfolgte die Bevölkerung Palermos gespannt die Dramen ihrer »ferngesteuerten Helden«. Die Marionetten lebten, auch jenseits des Theaters. Episode um Episode spielten sich die einzelnen Charaktere in die Herzen der Zuschauer. Was heutzutage Tv-Formate wie »Sturm der Liebe« mehr oder weniger erfolgreich zu leisten vermögen, stellten im alten Palermo Leid und Freud um Karl des Großen und seine Paladine dar. Ähnlich temperamentvoll wie die Marionetten, die an seidenen Fäden unzählbare Kämpfe gegen das Böse ausfechten, war auch das Publikum: Anfeuern. Ausbuhen. Mitfühlen. Rund 200 Puppentheater inszenierten Tag für Tag eine Seifenoper der Marionetten. Doch mit der steigenden Anzahl an Fensehapparaten schrumpfte die Anzahl der handgemachten Bühnen. So zählt Enzos Mancusos Puppentheater zu den wenigen Ensembles, die sich nicht im Kampf gegen die modernen Technologien geschlagen geben mussten.

»puparo« – das Alter Ego der Marionette

Das Puppenspiel erfordert mehrere Talente: So ist Enzo Mancuso nicht nur »Ziehvater« seiner Puppen, sondern auch Regisseur, Bühnenbildner, Intendant, Schreiner und Schneider in einer Person. Mit Holz unter den Füßen, einem Horn in der einen und den Fäden in der anderen Hand erwecken er und seine Spielgefährten mit einer beeindruckenden Stimmenvielfalt die Marionetten zum Leben. Der Soundtrack zur dramatischen Szenerie? Eine Ziehorgel, die nicht nur durch ihr Antlitz zu verzaubern vermag.

Das Puppentheater auf Rädern

Dem italienischen Generalkonsulat in München sei Dank, dass Enzo Mancusos Puppentheater auf Reisen gehen durfte. So wurde vergangenen Sonntag »Gostenhof« zum Palermo der Puppen. Auch wenn mein nicht vorhandenes italienisches Vokabular meinen ersten Besuch in einem sizilianischen Puppentheater einem tosenden Stummfilm ähnelte, ließ mich das Handwerk der »pupari« verzaubert zurück. Außerdem bedarf der ritterliche Kampf um Ehre, Gerechtigkeit und die holde Damenwelt keine Worte – die »Kunst der Duplomatie« ist international verständlich.

Auch wenn Enzo Mancuso mittlerweile wieder in den Geburtsort seiner traditionsreichen Kunst zurückgekehrt ist, blieben seine Helden nicht stumm. So sollte einer Reise nach Palermo ein Besuch in die Welt der Marionetten folgen. Italienisches Sprachverständnis hin oder her, es lohnt.

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Kontakt---Teatro-Mancuso

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