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Filmtipp: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT

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»Kabelschäden kommen unverhofft.
Filmjuwelen auch.«

Ein schwerer Kabelschaden kapitulierte meine WG letzte Woche unverhofft in die analoge Welt. Das Resümee nach einer Woche Abstinenz: Mein Suchtpotential ist größer als angenommen. Des einen Leid ist des Casablancas Freud. So bescherte mir meine zwanghafte Suche nach Beschäftigung einen kleinen Filmjuwel: »A GIRL WALK HOME ALONE AT NIGHT.«

Während dem Film fasziniert bis indifferent, stellte sich die wahre Begeisterung erst im Nachhinein ein. Manche Dinge müssen erst einmal nachwirken, bevor sie ihren vollen Zauber entfalten. Dafür hält er meist umso länger an.

»Es ist nicht möglich über den Film zu reden,
ohne über die Musik zu reden.«

Das Regiedebüt von Ana Lily Amirpour besticht nicht zuletzt durch einen grandiosen Soundtrack irgendwo zwischen Britpop und elektronischer Musik – von Electro-Synthies über Morricone-Orchester bis hin zu Minimal Techno. So leitet der Film die Musik und die Musik den Film.

Ein »iranischer Vampir-Spaghetti-Western«

»Bad City«. Eine fiktive Stadt im Iran. Auffangbecken für die Verwahrlosten, Jagdrevier für ein namenloses Vampir-Mädchen. Einsam und wurzellos verwurzelt in der Welt der Musik treibt sie ihr Unwesen in der Nacht. Auf einem Skateboard in einen schwarzen Tschador gehüllt verfolgt sie ihre Opfer und gibt hoffnungslosen Unheilvollen den letzten Biss. Inmitten all der verbrauchten, erschöpften und gesetzlosen Seelen entwickelt sich zwischen der Vampirin und dem sterblichen James Dean der Dunkelheit eine Romanze.

»Die Figuren sind inspiriert von Ikonen der Popkultur aus den 1950er bis zu den 1990er Jahren, die ich großartig finde, wie James Dean, Sophia Loren, Ninja von Die Antwoord und natürlich von den grenzenlosen Möglichkeiten eines Vampirs. Ich wollte die Ästhetik und das Gefühl von Zeitlosigkeit und damit wahrhaftig die mythische und surreale Atmosphäre des Films vervollständigen. Deshalb mussten wir den Film in schwarz-weiß und anamorph drehen. Es verschaffte uns eine grafische Ästhetik, so wurde der Film zu einer echten genre-überschreitenden Erfahrung.«

Die Traumwelt Bad City lässt Platz für Interpretationen. Von Anspielungen auf die Stellung der Frau im Iran oder der vorherrschenden Drogenproblematik ist alles möglich. Von einer bewussten Verwendung von Symboliken spricht sich die Regisseurin jedoch frei. So bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich auf die Suche nach dem symbolhaften Charakter begibt, oder einfach nur in das gespenstisch-faszinierende Märchen eintaucht.

»Es ist, als hätten Sergio Leone und David Lynch ein gemeinsames Baby und dafür Nosferatu als Babysitter bestellt.«

Poesie statt Trailer:

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